Die Chronik des 1. SC Gröbenzell

Zu den besten und schönsten Wesenszügen und Fähigkeiten des Menschen gehört es, sich gut und tief erinnern zu können und wenn sich im Gang der Zeit die Jahre runden, Vergangenes festlicherweise heraufzurufen, zu vergegenwärtigen, zu bedenken und zu feiern wie es zum Halbjahrhundert-Geburtstag unserer "Weiss-Blau"-Tennisabteilung im 1. SC Gröbenzell mit dieser Festschrift geschieht. Allerdings vermag kein Senkblei, kein Echolot solche fünfzigjährigen Gezeitentiefen zu ergründen, und so muß sich der Chronist damit begnügen, aus der Fülle und Vielfalt des Geschehenen und Erfahrenen einige "spots" und "highlights", einige Wegmarken und Entwicklungsstadien hervorzuheben, zumal bereits in den beiden Publikationen zum vierzig- und fünfzigjährigen Jubiläum des 1. SC Gröbenzell (1986 von Helmut Kleineberg und 1996 von Fred Würzberg) ausführliche Würdigungen zur Geschichte des Tennisvereins erstellt worden sind.

In zahlreichen, prall gefüllten Ordnern und Annalen, die inzwischen einige Regalmeter einnehmen, findet man Kunde von den fernen und schwierigen Anfängen und dem kargen "Brot der frühen Jahre" und dem später allmählich ins Große und auch Ruhmreiche Wachsende des ersten Gröbenzeller Tennisclubs, und sichtbar wird, wie viel uneigennützige Tatkraft und Anstrengung, wie viel Opfer an Zeit und Mühe vonnöten waren, um dem so idealistisch Begonnenen Bestand und Dauer zu verleihen. Und diese Bereitschaft der Mitglieder der Tennisgemeinschaft, sei es durch die ehrenamtliche Tätigkeit im Vorstand oder durch Beteiligung an all den vielfältig erforderlichen Arbeiten an den Clubanlagen und Plätzen oder durch Spenden und Bürgschaften zum Überleben und Fortschritt der Abteilung beizutragen, hat sich glücklicherweise bis auf den heutigen Tag erhalten und hat die Kontinuität und Solidarität und das trotz mancherlei Widrigkeiten und Problematischem nunmehr doch so staunenswert Zu-hohen-Jahren-Gekommen-sein erst möglich gemacht.   Denn die Kühnheit, sich im Jahre 1959 den Traum vom Tennissport zu erfüllen, ohne über einen einzigen Tennisplatz oder finanzielle Ressourcen zu verfügen, war nicht zu übertreffen, aber das Abenteuer konnte schließlich durch den unermüdlichen Einsatz und den Pioniergeist der ersten Mitgliedergeneration und mit der Unterstützung durch die Gemeinde und den Hauptverein mit vier in kürzester Zeit an der Puchheimer Straße erbauten Plätzen zu einem guten Ende gebracht werden.

Große sportliche Erfolge stellten sich schon bald ein und haben dem Namen des Vereins über die Orts- und Kreisgrenzen hinaus seinen bis heute bewahrten guten Klang verliehen. Mit der Übersiedlung an den Zillerhof in den siebziger Jahren, wo auf dem Pachtgrundstück der Familie Netschert die jetzige Anlage mit elf Plätzen und dem Clubheim entstanden war, erlebte die Tennisabteilung einen enormen Aufschwung, der nur durch die beharrliche und sorgsame Arbeit der Vorstandskolleginnen und-kollegen bewältigt werden konnte, wobei trotz zunehmender Anforderungen an den Etat sich für die ökonomische Konsolidierung vor allem segensreich ausgewirkt hat, daß es im "Weiss-Blau-Kabinett" von Beginn an mit Frl. Fahr, Fritz Herr, Rolf Schardt, Walter Haame, Rüdiger Taubert, Kurt Reiser, Albert Miedl und Peter Sandner überaus fähige, profunde und gewissenhafte "Finanzminister" gegeben hat, die vielerlei Belastungen, Hindernisse und Krisen glänzend bestanden und überwunden haben. (Hierbei hält Kurt Reiser, der auch zu den Mitgliedern der ersten Stunde gehört, mit einem ehrenamtlichen "Dienstalter" von 16 Jahren als Kassier den Vereinsrekord, zusammen mit Michael von Klose, der zwischen 1988 und 2OO8 als 2. Vorsitzender und Seniorensportwart gleichfalls 16 Dienstjahre auf seinen breiten Schultern getragen hat !) Die "Grundlage" - im wahren Wortsinne - eines Tennisvereins und sein sportliches Lebens- und Betätigungsfeld bildet stets die Platzanlage: hier wurde mit großer Sorgfalt Wert darauf gelegt, den Mitgliedern optimale Bedingungen zu bieten, wenngleich bei dem ausgedehnten Umfang des Tennisgefildes manche Einschränkung oder Verzögerung in Kauf genommen werden mußte. Ein Glücksfall für den Club war es, daß in den vergangenen Jahrzehnten auch hierbei Außergewöhnliches geleistet worden ist: vor allem Hans Beilhartz, Karl Hahn und Günter Kachel sowie vielen (wenn auch immerdar zu wenigen!) freiwilligen Helfern gebührt dafür großer Dank! Besonderes Augenmerk galt schon seit der Gründungsphase des Vereins der Jugendarbeit, so daß zu allen Zeiten rund ein Viertel der Mitglieder auf die Jugendlichen entfiel: zu gedenken ist in diesem Zusammenhang vor allem unseres langjährigen Jugendwartes Günter Brodag, der Vorbildliches bei der Betreuung und Förderung von zahllosen jugendlichen Tennisbegeisterten vollbracht und manchen jungen Tennisspieler, der sich später als hoffnungsvolles Talent in hohen Ligen bewährte (wie etwa die Brüder Kay und Helge Vorwerk, Thorsten Eggers, Michael Wodarzik, Thomas Zurek, Frank Pokorny, sowie Monika und Michaela Keck, Sabine Lössl, Anuschka Düppe und Stephanie Voland) entdeckt und ihre Begabung ausgebildet und vervollkommnet hat. Auch von unseren späteren Trainern wie Erwin Schuldt, Randy Dudley und Fernando Gonzales, Marc Brill, die sich fast immer auch als Mannschaftsspieler verdient gemacht und zu großen Erfolgen beigetragen haben, ist diese gute Tradition fortgesetzt worden und wird gewiß unter unserem seit 2011 neuen Trainer Hyda Banjska beibehalten. Detaillierte Berichte über errungene Siege und Tennis-Triumphe, aber auch über die unausweichlichen bitteren Enttäuschungen und Niederlagen, würden bei jeweils weit über 2O an den Meisterschaftsspielen teilnehmenden Mannschaften den Rahmen dieser Schrift sprengen: aus jüngster Zeit wären die respektablen Ergebnisse der 1. Herren-Mannschaft um Steffen Dierauf zu nennen, der mit seinem großartigen oberbayerischen Meistertitel 2009 dem Club ein glanzvolles Jubiläumsgeschenk gemacht und dessen zu schönsten Hoffnungen berechtigendes Tennistalent ihn bereits auf die Position 107 der deutschen Rangliste geführt hat. Zu seinen erfolgreichen Teamgefährten in der Bezirksliga gehören auch Sebastian Rutka, Romeo Enzo, Stephan Häusler, Stephan Horster, und Christoph Berninger. Erfreulicherweise hat sich auch in dieser Saison bestätigt, daß seit Jahrzehnten immer zumindest eine Mannschaft der 1. SC-Tennisabteilung in der Regionalliga vertreten ist,  da die alte Garde der Siebziger-Herren um unseren 36-fachen DeutschenMeister und Träger vieler weiterer internationaler Titel Adi Hussmüller mit Erdmann Lüth, Peter Müller-Rohrmoser, Manfred Amling, Heinz Riedner und Willi Kolper den Aufstieg in die Regionalliga erreicht haben und dafür pünktlich zum Jubiläumsjahr vom Bayrischen Tennisverband mit einem wimbledonwürdigen Großpokal geehrt wurden. Leider ist es in unserem dichtbesiedelten Heimatort nie gelungen, den Tennisclub auf eigenem Grund und Boden zu etablieren, so daß im Jahre 1994 nach nicht ganz unkomplizierten Verhandlungen ein zweiter Pachtvertrag mit einer Laufzeit von 25 Jahren abgeschlossen werden mußte. Zwei Jahre später wurde das ursprüngliche und von den Familien Kronenwett und Beilich gastfreundlich bewirtschaftete Clubheim nach fast einem Vierteljahrhundert während der Amtszeit von Erdmann Lüth als 1. Vorsitzendem und unter seiner Federführung als Architekt durch einen Um- und Neubau ersetzt, der eine um 7O qm vermehrte Nutzfläche und eine Vergrößerung der Terrasse um 12O qm bot und im Sommer 1996 eingeweiht werden konnte. Seit 1999 wird das Clubheim von unserem italienischen Wirt Angelo und seiner Familie mustergültig geführt und auch bei der Pflege der Tennisplätze, deren Drainagen und Sprinkler- anlagen im vergangenen Jahr erneuert undmodernisiert wurden, kann sich der Verein auf seinen unermüdlichen Einsatz und seine Sachkenntnis verlassen. Das letzte Jahrzehnt war geprägt vom Verebben des in den achtziger Jahren ausgelösten Tennis-Booms und dem damit verbundenen Rückgang der Mitgliederzahlen, und so wurde die Amtszeit von Hermann Binner als 1. Vorsitzendem (1998 - 2OO8) wohl zur schwierigsten in der Geschichte des  Tennisvereins, jedoch ist es ihm zusammen mit seinen Vorstandskolleginnen und -kollegen mit bewundernswerter Geduld und Ausdauer und vielen innovativen Maßnahmen gelungen, den Mitgliederschwund aufzuhalten und die durch verminderte Beiträge und erhöhten Kostendruck verursachte wirtschaftliche Problematik, auch mit Hilfe der Gemeinde und ihres Sportreferenten Walter Strauch und durch die dankenswerte Solidarität der anderen Abteilungen des Hauptvereins unter seinem 1. Vorsitzenden Dr. Bumeder, zu bewältigen und die bedrohliche und existenzgefährdende Situation zu überwinden. Als Nachfolger Hermann Binners wurde 2OO8 Robert Lehner un seit 2011 Thomas Schwannecke in das Amt des 1. Vorsitzenden gewählt: auch er wird mit seinem Vorstandsteam manch schweren Gang gehen müssen, aber hoffentlich mit kraftvoller und glücklicher Hand den Verein durch weniger turbulente und krisenhafte Zeiten in das zweite Halbjahrhundert steuern können, wie es in einem Goethe-Wort anklingt, das gleichnishaft auch für eine Sportgemeinschaft wie die unsere zu gelten vermag und unserem fünfzigjährigen Geburtstagskind mit auf den gewiß nicht leichten Weg in die Zukunft gegeben sei, in der Hoffnung, dass es zu einem späteren Jubeltag oder bei der Jahrhundertfeier des Vereins im Jahre des Herrn 2O59 in Erfüllung gegangen sein möge: "Es darf uns nicht niederschlagen, wenn sich uns die Bemerkung aufdringt, das Große sei vergänglich; vielmehr wenn wir finden, das Vergangene sei groß gewesen, muß es uns aufmuntern, selbst etwas von Bedeutung zu leisten, das fortan unsre Nachfolger... zu edler Tätigkeit aufrege, woran es unsere Vorvordern niemals haben ermangeln lassen". Helmut Kleineberg